Offener Brief an den Verband Kommunaler Arbeitgeber

Von Eltern fordert der Streik einen hohen Tribut. Es wird immer schwieriger, eine Alternativbetreuung zu organisieren, wertvolle Urlaubstage werden aufgezehrt, manche Arbeitnehmer sind sogar von einer Kündigung bedroht. Jeder weitere Streiktag erhöht die Belastung der Eltern enorm. Sie stoßen an ihre Grenzen.

Ebenso wie die Eltern trifft der Streik aber auch die Kinder. Sie werden vollkommen aus ihrem Rhythmus gerissen und verstehen nicht, warum sie einen Tag in die Kita gehen, und dann schon wieder einen Tag zu Hause bleiben müssen. Sie fragen sich, ob sie selbst Schuld daran haben – haben sie irgendetwas falsch gemacht? Im besten Fall kommen sie bei den Eltern oder Verwandten unter. Oftmals müssen sie aber auch immer wieder zu neuen, fremden Betreuungspersonen, wodurch die Kinder nur noch mehr verunsichert und durcheinander gebracht werden.

Nach wie vor sind es nicht die Kommunen, die vom Streik getroffen werden, sondern Kinder und Eltern. Dennoch wollen wir uns durch dieses Aussitzen des Streiks durch den VKA nicht gegen Erzieher und Erzieherinnen ausspielen lassen. Eltern sehen jeden Tag, was ErzieherInnen selbst unter prekären Bedingungen für unsere Kinder leisten. Kinder werden in einer Kita nicht mehr nur betreut und aufgehoben. Nein, es wird ein Bildungsauftrag erfüllt, die Kinder werden gefördert und die ErzieherInnen versuchen, nach Möglichkeit auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes einzugehen – die Anforderungen an ErzieherInnen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen.

Daher fordert der Stadtelternrat Dresden vom Verband Kommunaler Arbeitgeber:

Dieser Streik muss zu einem Ende kommen. Und zwar zu einem Ende, an dem die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern deutlich aufgewertet wird. Es ist nun an Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren des VKA und aber auch an den Gewerkschaften, über dieses „deutlich“ zu verhandeln. Die Vorschläge des VKA sind bisher mehr als dürftig ausgefallen. Erhöhungen sollen nur für wenige Einzelne gebilligt werden, eine generelle Aufwertung des ErzieherInnen-Berufs wird abgelehnt. Doch die bedarf es. Denn die von Ihnen genannten Zahlen zum Einstiegs- und Endgehalt sind Augenwischerei. Sie unterschlagen dabei, dass nur die wenigsten Erzieherinnen eine 39 bzw. 40 Stunden Woche arbeiten (dafür gelten die Zahlen), sondern die meisten einen 32+ Vertrag bekommen – das bedeutet gut 17,5% weniger Gehalt.
Deshalb: Gehen Sie auf die Gewerkschaften mit dem geforderten vernünftigen Angebot zu. Werten sie diesen Berufsstand jetzt auf – und nicht erst dann, wenn niemand mehr zu den bestehenden Bedingungen den Job machen will.

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