Unbefristeter Streik 08.05.

AKTUELL: Update zum Streik hier.

Liebe Eltern.

es ist mal wieder so weit: Ab dem 08.05. wird gestreikt und zwar bundesweit. Auch die Kindertagesstätten des Eigenbetriebes in Dresden sind von den Streiks betroffen. Diesmal wird auch nicht nur ein oder zwei Tage gestreikt, sonder es wird zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Dieser Streik könnte durchaus die nächsten zwei Wochen dauern und auch noch über Pfingsten hinaus.
Auf uns Eltern kommt damit eine enorme Belastung zu. Denn für uns heißt es, entweder schnell eine alternative Kinderbetreuung zu organisieren oder selbst einzuspringen. Erstere Fall wird sich um so schwieriger gestalten, je länger der Streik dauert und im zweiten Fall muss man oft auf unbezahlten Urlaub zurückgreifen. Ebenso ist der Streik für die Kinder eine Belastung –  auch sie werden aus ihrem normalen Tagesrhythmus herausgerissen und müssen sich in den Fällen, in denen die Eltern nicht selbst die Betreuung übernehmen können, auf eine neue Betreuungssituation einstellen.
Wenn alternative Betreuungsmöglichkeiten fehlen, ist es vielleicht möglich, sich als Eltern gegenseitig zu unterstützen. Warum sich nicht mit den Eltern der Freunde des eigenen Kindes bei der Betreuung abwechseln?

Streikinfos Dresden

Eine Übersicht über den Status der Einrichtungen an Streiktagen sowie Infotelefonnummer finden sich hier: http://www.dresden.de/de/03/01/02/0001_Warnstreik.php
Prozedere bei Streik: Vor den Streiktagen dürfen keine Umfragen gemacht werden, welche Mitarbeiter*innen streiken. Mitarbeiter*innen, die nicht streiken wollen, können das an den Eigenbetrieb signalisieren. Daher kann vorher nicht gesagt werden, ob die eigene Einrichtung offen oder geschlossen ist. Erst am Streiktag, wenn sich ausreichend Personal in der Kita eingefunden hat, kann die Kita öffnen. Diese Mitarbeiter*innen geben dann eine Information an den Eigenbetrieb, wieviele Kinder betreut werden können. Dieser Status kann über obengenannte Homepage bzw. Infotelefon 0351/4885101 und 0351/4885117 und 0351/4885041 erfragt werden. Die geöffneten Einrichtungen nehmen nicht nur Kinder der eigenen Einrichtung auf, sondern können auch Kinder aus anderen Einrichtungen des Eigenbetriebes aufnehmen, wenn Kapazitäten frei sind.
Notbetreuung: Ob und in welcher Form es eine Notbetreuung geben wird, steht noch nicht fest, da gilt es sich auf der Dresden Seite oder an den Aushängen in der eigenen Kita zu informieren.

93% entscheiden für den Streik
Wie wir zu den Streiks stehen, haben wir bereits in unserem letzten Beitrag klar gemacht. Dennoch möchten wir daran appellieren, mit Erzieher*innen zumindest einen konstruktiven Dialog zu suchen und den eigenen Frust über die Situation nicht an ihnen auszulassen. Sie stehen ebenfalls unter Druck und sind sicher nicht glücklich mit der derzeitigen Situation.
In einer Urabstimmung haben sich 93% der gewerkschaftlich organisierten Erzieher*innen für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Die Mitarbeiter, welche das Streikrecht dann auch wirklich in Anspruch nehmen und nicht auf der Arbeitsstelle erscheinen, werden für die Fehlzeit nicht bezahlt. Dabei berechnet sich der Verdienstausfall nach den eingeplanten Arbeitsstunden des/der jeweiligen Mitarbeiter*in. Man kann also davon ausgehen, dass Erzieher*innen den Schritt zu einem Streik ebenfalls nicht leichten Herzens gehen. Für sie scheint es der letzte Schritt zu sein, um in dem festgefahrenen Tarifkonflikt eine Lösung zu erzwingen, nachdem sich die Arbeitgeberseite quer gestellt hat.
In unserem letzten Beitrag haben wir angebracht, dass es schade ist, wenn es immer nur ums Geld geht. Interessant ist die Stellungnahme zu diesem Thema von Verdi:

Richtig ist auch, dass neben der dringend erforderlichen Aufwertung der sozialen Berufe, also die Frage, welchen Wert hat die Arbeit in Kitas, Sozial- und Jugendämtern, in der Behindertenhilfen auch die Problematik der schlechten Rahmenbedingungen steht. Sie sprechen es selbst an. Viele Beschäftigte in Kitas formulieren, dass neben dieser Frage „Welchen Wert hat meine Arbeit?“ auch die Frage im Vordergrund steht, wann endlich eine Verbesserung des Personalschlüssels, eine Anrechnung von Vor- und Nachbereitungszeiten und und und erfolgt. Ja, auch das ist eine für uns gewerkschaftspolitische Schwerpunktaufgabe, allerdings gibt es zwischen dieser Fragestellung und der jetzigen tariflichen Auseinandersetzung um eine Aufwertung der Tätigkeit einen großen Unterschied.
Die Frage der Aufwertung und Verbesserung der Eingruppierung ist eine tarifliche Auseinandersetzung, die im Wege von Tarifverträgen verhandelt werden kann und eben auch mit Hilfe von Streiks durchgesetzt werden muss. Bezüglich der Rahmenbedingungen wie Personalschlüssel etc. ist das leider etwas anders. Hier entscheiden die Landesparlamente im Rahmen der jeweiligen Kita-Gesetze […]

Die Tarifverträge werden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemacht, für die Rahmenbedingungen in den Kitas ist die Politik verantwortlich. Ebenso die GEW:

Berufsbezogene nicht-monetäre Merkmale wie Fachkraft-Kind-Relation, Vor- und Nachbereitungszeit, etc. sind allerdings im Tarifvertrag nicht geregelt und können daher auch in dieser Tarifauseinandersetzung nicht verhandelt werden.
Diese Themen sind Bestandteil eines Bundesqualitätsgesetzes für Kitas, für das sich die GEW gemeinsam mit der AWO und dem KTK-Bundesverband (Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder) parallel und schon seit Jahren beim Bund einsetzt. Im Detail geht das an dieser Stelle zu weit, dafür möchte ich Ihnen diese Broschüre Nahe legen.

Darauf, dass Sachsen sich bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, haben wir bereits in unserer Petition hingewiesen. Die angebliche Verbesserung der Betreuungsituation und die scheibchenweise Anhebung des Betreuungsschlüssels sind ein Witz, wurden dennoch jetzt mit dem Haushalt beschlossen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr ist das nicht.
Um daran etwas ändern zu können braucht es nach Verdis (und auch unserem) Verständnis „auch in Sachsen einen breiten, über die Gewerkschaften hinaus, Konsens und Bündnis, um Politik, hier die sächsische Staatsregierung, endlich zu zwingen, etwas zu tun.“

Für eine Aufwertung des Erzieher*innen – Berufs spricht nach Auffassung der Gewerkschaften vor allem auch folgender Aspekt:

Generell ist eine finanzielle Aufwertung aber notwendig, da im Sozial- und Erziehungsdienst bereits jetzt Fachkräfte fehlen. Junge Menschen finden die Gehaltsaussichten nachweislich unattraktiv. Wenn sich hier nichts tut, wird auch ein besserer Personalschlüssel nicht ausreichen, da das Personal schlicht fehlt. In einigen Regionen ist das bereits der Fall. Und die SuE-Beschäftigten fragen sich zu recht, warum sie trotz mehrjähriger Ausbildung bzw. Studium weniger verdienen als Beschäftigte mit vergleichbarer Qualifikation im Finanz- oder Industriesektor. Wo doch ständig alle betonen, wie wichtig (frühkindliche) Bildung ist. Und dann passiert – nichts.

Zusätzlich sind die Anforderungen an die Erzieher*innen in den letzte Jahren enorm gestiegen, ohne das es eine personellen Ausgleich gibt.

Was können wir tun?

Der Frust und die Hilflosigkeit sitzen tief und wir fragen uns vielleicht, wie wir mithelfen können, diesen Streik möglichst schnell zu beenden.
Hier ein paar Infos von Verdi:

1.       Formulieren Sie den Ärger über die aktuelle Situation und daraus entstehende Belastung gegenüber denen, die die Verantwortung für diesen Streik tragen. Das kann in Form von Emails, Anschreiben oder ähnlichem gegenüber dem Träger der Einrichtung, also in Ihrem Fall der Landeshauptstadt Dresden in der Form, dass dieser aufgefordert wird, endlich dafür Sorge zu tragen, dass es ein gutes und verhandelbares Angebot an die ErzieherInnen und die sie vertretenen Gewerkschaften gibt.

2.       Es gibt auf unserer Internetseite der aktuellen Tarifauseinandersetzung die Möglichkeit, sich nicht nur als Unterstützer einzutragen, sondern auch selbst in der Form aktiv zu werden, mit der hier hinterlegten Unterschriftenliste in den Kitas und darüber hinaus  für eine breite Unterstützung zu werben. Diese Unterstützer- bzw. Unterschriftenlisten gehen unmittelbar auch an die verantwortlichen Arbeitgeber und Träger. http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/information/materialien/

3.       Sprechen Sie mit Lokalpolitikern vor Ort, zum Beispiel mit Stadträten oder auch Landtagsabgeordneten, um den Druck dorthin zu bringen, wo er an der richtigen Stelle ist. Gern können wir dies auch gemeinsam organisieren.

Weiterführende Informationen

Hier noch ein paar weiterführende Links und Informationend:

Infos Rund um den Streik der GEW: http://gew.de/Streiks_im_Sozial-_und_Erziehungsdienst_der_Kommunen_Fragen_und_Antworten_fuer_Eltern.html

Infobroschüren zu Geld und Recht:

http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/w/files/medien/04/eltern-info-geld_201504.pdf

http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/w/files/medien/04/eltern-info-recht_201503.pdf

Eine eCard an den eigenen Regierungsvertreter schicken: https://www.soziale-berufe-aufwerten.de/unterstuetzen/e-card-senden/

Wer die Erzieher*innen mit einer Petition unterstützen möchte, der unterschreibt bitte einmal hier: https://www.change.org/p/wir-eltern-sind-solidarisch-im-kitastreik-elternf%C3%BCrerzieherinnen-petition-mitzeichnen

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